Millie

Steckbrief

Name: Millie Paulina
Geboren: 29.08.2014 (errechnet: 19.09.2014)
Gewicht: 2630g
Größe: 47 cm
Geschwister: Hannah (10.03.2008) und Jule (11.10.2010)
Trisomie-Form: Freie Trisomie 21
Lieblingsspielzeug: Puppen und Bücher

Email: millie@5xmehr.de

 

 

„Das hat uns gerade noch gefehlt…!“

dsc_0209Als 2014 unsere 3. Tochter Millie zur Welt kam, lief bis dahin unser Leben in ganz normalen und geregelten Bahnen. Wir hatten ein schönes Haus mit Garten, hatten bereits zwei gesunde Töchter und entschlossen uns, dass wir den Schritt zu einem 3. Kind wagen wollten…
Als ich dann kurz darauf schwanger wurde, war die Freude groß. Jetzt sollten wir also bald eine richtig große Familie sein!
Die ganzen Vorsorgeuntersuchungen standen kurz darauf ins Haus, aber mein Mann und ich entschieden, dass wir auch bei unserem 3. Kind keine weiteren oder zusätzlichen Untersuchungen haben wollten – denn was hätte es für uns geändert!? Trotzdem gingen wir natürlich davon aus, dass alles genauso sein würde wie bei den anderen beiden Mädchen.
Die Schwangerschaft verlief normal, alles unauffällig und früh wussten wir, dass es bald 3 Prinzessinnen in unserem Haus geben sollte. Die beiden Großen waren darüber sehr glücklich, ein weiteres Mädchen passte doch besser in ihren Spielplan! Meinem Mann und mir war das Geschlecht egal – Hauptsache gesund! Im August 2014 war unsere kleine Millie dann endlich da: Die Geburt verlief schnell und einfach und wir waren überglücklich!! Jetzt waren wir also komplett mit diesem wunderschönen kleinen Mädchen…

Nach einer Stunde kam dann eine Kinderärztin in den Kreißsaal gestürmt, untersuchte unsere Kleine ein paar Minuten, setzte sich neben mich auf’s Bett und erklärte uns ohne Umschweife: Verdacht auf Trisomie 21! Dann war sie wieder weg. Beim Rausgehen sagte sie noch zur Hebamme: „ Ich hab’s den Eltern jetzt einfach mal gesagt…“
Betroffene Gesichter, ansonsten waren wir allein mit dieser Aussage. Das konnte doch nicht sein!? Ich war völlig geschockt, die nächsten Minuten und Stunden liefen vor meinen Augen wie ein Film: Blutabnahme für den Gentest, weitere Untersuchungen, das Herz…Und wieder blieben wir allein zurück in Ungläubigkeit darüber, was da gerade passierte.
Wie froh waren wir, dass ganz schnell Millies Oma im Kreißsaal bei uns war und uns endlich jemand in den Arm nahm. Sie war es auch, die unsere kleine Maus nach der Blutabnahme in Empfang nahm, die sie anzog und im Arm hielt. Mein Mann und ich waren in diesen Minuten zu sehr mit uns beschäftigt, mit der Angst was werden würde und was auf uns zukommen würde.

Endlich brachte uns jemand auf unser Zimmer und endlich kamen auch unsere beiden großen Mädchen zusammen mit dem Opa und bestaunten überglücklich ihre kleine Schwester. So friedlich lag sie da und schlief und war einfach nur wunderschön!
Unter Tränen rief ich meine Freundin an und erzählte, dass unsere kleine Maus geboren wurde, erzählte von ihrer Trisomie und den Satz, den sie zu mir sagte, werde ich bestimmt nicht vergessen: „ Oh man, und ich dachte schon es ist etwas Schlimmes passiert!!“
Aber es war doch etwas Schlimmes passiert…oder nicht?

In dieser ersten Nacht konnte ich natürlich nicht schlafen, meine Gedanken waren immer noch am Kreisen. Millie lag im Schwesternzimmer, denn ihre Sauerstoffversorgung musste überwacht werden. Gegen drei Uhr hielt ich es nicht mehr aus, ich musste zu meinem Baby, musste sie im Arm halten. Die Schwestern waren einverstanden und ich durfte sie für eine Weile mitnehmen. Dieser stille Moment mitten in der Nacht, alleine mit Millie im Arm war für mich sehr wichtig: Ich war natürlich immer noch unheimlich traurig darüber, dass Millie das Down- Syndrom hat, aber in diesem Moment spürte ich so viel Liebe zu diesem Kind, dass ich wusste, dass es nichts ändern würde. Sie war unsere Tochter – genauso wie die beiden anderen – und wir würden diese Aufgabe schaffen, zusammen als Familie!

Am nächsten Tag kam uns meine Schwester im Krankenhaus besuchen und sie meinte, welches Glück Millie hat, ansonsten gesund zu sein und dass uns dieses kleine Mädchen noch so viel Freude bereiten würde! Wie recht sie hatte… Für uns war es damals wie heute ein großes Glück, dass wir eine Familie und Freunde haben, die Millie so nehmen wie sie ist – ohne Wenn und Aber! Und wie unbefangen gingen unsere beiden großen Töchter mit der Tatsache um, dass Millie „anders“ sein würde als sie:
„Mama, das macht doch nichts, ich bin doch auch anders als Jule!“ Das waren die Worte unserer damals 6-jährigen Tochter.
dsc_0188Von Anfang an klärten wir beide Mädchen über das Down- Syndrom auf und sie waren immer interessiert und stellten Fragen, aber ändern an ihrer bedingungslosen Liebe zu ihrer kleinen Schwester tut es nichts.

Manchmal denke ich noch an diese ersten Stunden nach Millies Geburt und dann bin ich traurig darüber, dass unsere kleine Prinzessin einen solchen Start hatte, mit vielen Tränen und Kummer. Aber damals wussten wir eben noch nicht, dass unser Leben als „große“ Familie ganz normal weitergehen würde, dass wir nicht weniger Spaß haben und lachen würden. Dass es Millie sein würde, die Trost spendet, wenn sich Jule wehgetan hat oder die Hannah morgens nochmal einen „Kraftdrücker“ gibt, bevor sie zur Schule geht. Dass die ganze Familie applaudiert und jubelt, wenn Millie das 1. Mal frei steht oder einen Turm baut.

Ich glaube, es ist eine ganz besondere Aufgabe, ein Kind mit Down- Syndrom zu haben. Aber ich finde es schade, dass wir Menschen heutzutage oft so schwach sind oder unter einem so großen gesellschaftlichen Druck stehen, schwierige Aufgaben anzunehmen. Wohin führt es, wenn nur noch scheinbar „perfekte“ Kinder zur Welt kommen??

dsc_0066Bestimmt wird es manchmal schwierig und anstrengend und wir wissen natürlich nicht, was auf uns zukommt. Aber in der Hauptsache ist Millie eine Bereicherung für unsere Familie im Besonderen, aber auch für viele Menschen in ihrem Umfeld, die seither nichts über das Down- Syndrom wussten und durch Millie vielleicht erkennen, dass es normal ist, dass Menschen unterschiedlich sind!

Und wenn mich Millie morgens aus ihrem Bett anstrahlt oder ganz fest ihre Ärmchen um meinen Hals legt, dann weiß ich: „Das hat uns gerade noch gefehlt…!“

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3 Kommentare

  1. Danke für den Artikel, ich bin selber Vater einer „besonderen“ Tochter. Ich glaube wer eine so liebevolle Familie wie die kleine Millie, hat schon gewohnen … ☺ PS: beim letzen Absatz hab ich vor lauter positiver Emotionen weinen müssen..es so auf den Punkt zu bringen hat mich zutiefts berührt …Danke!!!

  2. liebe millie,

    du bist oberobergoldig!!! – sag bitte deiner mama, dass ihr bericht unheimlich gut tut und sehr ehrlich und mutig geschrieben ist! es ist so schön zu lesen und zu sehen, wie gut es euch geht und wieviel spass ihr miteinander habt.

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