„Du bist doch behindert…“

…Ein Satz, der gerade bei Kindern und Jugendlichen scheinbar unbedacht über die Lippen kommt – gemeint ist ja eigentlich nur, dass der andere ein bisschen doof ist…Bei unseren beiden großen Mädels hinterlässt dieser schnell daher gesagte Satz aber immer ein blödes Gefühl, denn schließlich ist ihre kleine Schwester ja behindert…

Neulich kam dann Hannah von der Schule und verkündete, dass sie jetzt was dagegen machen möchte und ihre Klasse darüber aufklären möchte, dass es blöd ist, diesen Satz einfach so daher zu sagen. Ihr Entschluss stand fest und so überlegte sie sich gemeinsam mit ihrer Freundin, einen kurzen Vortrag über das Down-Syndrom zu halten und im Anschluss daran sollte Millie dann noch in die Klasse kommen und als „Anschauungsobjekt“ dienen! Was für eine tolle und mutige Idee!

Die Klassenlehrerin von Hannah fand die Idee prima und ganz schnell und unproblematisch wurde ein Termin vereinbart. Unterstützt wurden die beiden Mädels noch von ihrer Klassenpatin, einer engagierten Zehntklässlerin, die sich sehr für das Thema interessiert und später einmal einen sozialen Beruf ergreifen möchte.

So gingen sie also in die Vorbereitungen und kurze Zeit später waren zwei Plakate entstanden mit einer kurzen Erklärung zu den 47 Chromosomen und was es bedeutet, das Down-Syndrom zu haben. Alles begleitet mit schönen Fotos von Millie. Die Informationen holten sie sich aus Büchern, sie wollten schließlich alles alleine vorbereiten. In einer Mittagspause trafen sie sich dann noch einmal mit ihrer Klassenpatin und besprachen den Inhalt und Ablauf ihrer Präsentation.

Letzte Woche war es dann soweit: Hannah und ihre Freundin erklärten vor ihrer Klasse, was es bedeutet das Down-Syndrom zu haben und weshalb es blöd ist, das Wort „behindert“ als gegenseitige Beschimpfung zu verwenden. Die Klasse war sehr interessiert und hatte auch einige Fragen, z.B. ob es Medikamente dagegen gibt oder ob Millie mal lesen und schreiben können wird. Die beiden Mädchen konnten die Fragen mit Hilfe ihrer Klassenpatin und ihrer Klassenlehrerin gut beantworten und so wurde es ein toller und interessanter Vortrag!

Im Anschluss folgte Millies „großer Auftritt“! Natürlich waren alle neugierig, wie Millie denn jetzt wohl in Natura ist … Bei einem gemeinsamen Frühstück lernte sie die Klasse kennen und danach machten alle zusammen noch einige lustige Spiele auf dem Schulhof . Millie fühlte sich sofort wohl unter den großen Kindern, war mittendrin und einige der Fünftklässler hätten sie am liebsten gleich den ganzen Vormittag dort behalten! Sicher haben sie spätestens beim Spielen bemerkt, dass sich Millie gar nicht sehr von anderen Kindern unterscheidet und dass es eigentlich ganz normal ist, verschieden zu sein…!

Was für ein toller und aufregender Vormittag! Zum Schluss durften Millie und ich noch beim Direktor Herr Miller vorbei schauen und auch er freute sich sehr, dass wir zu Gast waren. Gerne dürfen wir ein anderes Mal wieder kommen, um Berührungsängste abzubauen und bei den Kindern das Bewusstsein zu wecken, dass Menschen mit Behinderung Teil unserer Gesellschaft sind und auch als solchen betrachtet werden möchten.

Es war wirklich unheimlich toll, wie offen und selbstverständlich wir am Rosenstein Gymnasium empfangen wurden und wie sehr sich Hannahs Klassenlehrerin Frau Schuster dafür engagiert hat, den Vormittag zu einem so gelungenen Erlebnis für alle werden zu lassen!

Aber am allermeisten bin ich stolz auf Hannah, die den ganzen Stein ins rollen gebracht hat und den Mut hatte, vor ihre Klasse zu stehen und zu sagen: „Seht her, was ich für eine tolle Schwester habe!“

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